NSA – Nationales Sicherheits Amt

Ein Buch, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gekonnt miteinander verstrickt und die Frage stellt, wie sicher unsere Daten eigentlich wirklich sind.


Klappentext
Weimar 1942: Die Programmiererin Helene arbeitet im Nationalen Sicherheits-Amt und entwickelt dort Programme, mit deren Hilfe alle Bürger des Reichs überwacht werden. Erst als die Liebe ihres Lebens Fahnenflucht begeht und untertauchen muss, regen sich Zweifel in ihr. Mit ihren Versuchen, ihm zu helfen, gerät sie nicht nur in Konflikt mit dem Regime, sondern wird auch in die Machtspiele ihres Vorgesetzten Lettke verwickelt, der die perfekte Überwachungstechnik des Staates für ganz eigene Zwecke benutzt und dabei zunehmend jede Grenze überschreitet…
Was wäre, wenn es im Dritten Reich schon Computer gegeben hätte, das Internet, E-Mails, Mobiltelefone und soziale Medien – und deren totale Überwachung?


Rezension
Das Buch beginnt mit einer Art Vorwort, in welchem dem Leser zunächst die technischen Entwicklungen geschildert werden, sodass man nachvollziehen kann wie es überhaupt dazu kam, dass damals schon Computer und Mobiltelefone existierten. Man erkennt sogleich einige amüsante Parallelen, die einen nach kurzer Zeit aber schon mehr erschrecken und zum Nachdenken bringen.
Die eigentliche Story beginnt dann mit einer Art Einführungsszene im Nationalen Sicherheits Amt. Dadurch lernen wir zunächst das Amtsgebäude, den Grund für die Existenz des Amtes und dessen Aufgaben kennen. Außerdem treffen wir hier zum ersten Mal auf die beiden Protagonisten Helene Bodenkamp und Eugen Lettke.
Wir lernen beide im Rahmen einer Präsentation des NSA an die Regierung kennen, die sogleich aufzeigt wie weit die Möglichkeiten der Überwachung bereits gehen und die im Klappentext angedeuteten Geschehnisse ins Rollen bringt.
Nach diesem Einstieg macht die Handlung dann zunächst einen Sprung zurück und wir begleiten Helene und Eugen abwechselnd in ihrer Kindheit.
Helene ist die Tochter eines Arztes und kommt aus einem gut situierten Haushalt. Allerdings wird sie eher als graue Maus beschrieben und die jungen Männer scheinen kein Interesse an ihr zu haben. Sie entdeckt jedoch bald ihre große Leidenschaft für das Programmieren und so erfahren wir, wie sie zu ihrer Anstellung beim NSA als Programmstrickerin kam.
Eugen Lettke hat es mindestens genauso schwer. Seine Mutter betont immer wieder, dass er als Sohn eines gefeierten Kriegshelden Großes zu leisten habe. Seine sogenannten Freunde schikanieren ihn und so wird er ein in sich gekehrter junger Mann, der ebenfalls beim NSA zu arbeiten anfängt.
Allerdings könnten sich die Geschichten der beiden nicht unterschiedlicher entwickeln. Helene ist von Anfang an die Sympathieträgerin, während Eugen ganz klar der Antiheld ist. Durch die Augen der beiden lernen wir dann Stück für Stück die Entwicklungen kennen (technisch, wie auch politisch), die letztendlich zu der Szene führten, die man zu Beginn lesen durfte.
Ist dieser Punkt dann erreicht, begleiten wir die Protagonisten weiter auf der „aktuellen“ Zeitachse und schnell wird klar, so sehr die Eingangsszene bereits geschockt hat, es wird alles noch deutlich schlimmer.
Man muss jedoch sagen, dass Eschbach gekonnt von Beginn an deutlich macht, dass es sich bei dem Buch, trotz geschichtlicher Anlehnung, um Fiktion handelt, indem er klare Grenzen zur Realität zieht. So werden zum Beispiel die Mobiltelefone nicht als Handys oder Smartphones bezeichnet, sondern als Volkstelefon, oder kurz Votel.
Auch in geschichtlicher Hinsicht, macht der Autor davon Gebrauch. So finden zum Beispiel Anne Frank oder die Geschwister Scholl Erwähnung, ihre Schicksale weichen jedoch von den realen ab.
Nichtsdestotrotz erkennt man immer wieder Parallelen zur heutigen Zeit und genau das ist das Erschreckende. Zwar macht man sich auch viele Gedanken über das was zu Zeiten Hitlers passiert ist und wie es dazu kam, nicht vernachlässigen darf man aber das, was Eschbach bezüglich dem Umgang mit Daten aufzeigt.
Die Nationalsozialisten haben die Überwachungsmöglichkeiten durch die Technik im Buch vor allem dazu genutzt Juden, deren Unterstützer und Staatsfeinde zu finden. Heutzutage kommt diese Bedrohung für uns wohl eher von Seiten der Unternehmen und mag verglichen mit der Judenverfolgung wohl harmlos wirken. Dennoch, das Buch hat mir einmal mehr verdeutlicht wie leichtsinnig wir Menschen heutzutage mit unseren Daten umgehen und wie viel diese über uns Aussagen können, ohne dass uns dies überhaupt bewusst ist.
Abschließend kann ich nur jedem wärmstens ans Herz legen dieses Buch zu lesen. Es ist vielleicht nicht von Seite eins ab eine rasante und spannende Story, doch das würde der Thematik auch gar nicht gerecht werden. Eschbach hat ein Werk geschaffen, das unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf gekonnte weiße verbindet und uns anhand unserer Geschichte aufzeigt wie gefährlich unser heutiger Umgang mit Daten sein kann.

Außerdem möchte ich gerne noch auf zwei Zitate hinweisen. Einmal auf eines, das auch perfekt auf die heutige Zeit zutrifft:
S. 61: „Heutzutage scheint man unter Meinungsfreiheit die Freiheit zu verstehen, jeden zu verfolgen, der anderer Meinung ist als man selbst.“
Und dann noch auf eines, das die gesamte Absurdität der Judenverfolgung in wenigen Sätzen zusammenfasst:
S. 105: „Klar, manche von denen [Juden] waren unverschämt reich, aber es gab ja auch Leute, die unverschämt reich und keine Juden waren. Der Antisemitismus, dem die Braunen anhingen, kam ihm vor wie der Neid der Minderbemittelten, denn seiner Beobachtung nach waren die Juden einfach im Durchschnitt intelligenter als andere, was seiner Meinung nach der wahre Grund war, dass man sie nicht leiden konnte, so wenig wie Streber in der Schule.“


Eckdaten
Autor: Andreas Eschbach
Verlag: Bastei Lübbe
Preis: 22,90 € – gebundene Ausgabe
Seitenzahl: 796
ISBN: 978-3-7857-2625-9
Weitere Formate: eBook, Hörbuch
Link zum Buch
Leseprobe über Verlagsseite nicht verfügbar

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Ein Kommentar zu „NSA – Nationales Sicherheits Amt

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  1. Hallo,
    tolle Rezension!
    Ich kann dir in allen Punkten nur zustimmen. Habe das Buch auf vor kurzem gelesen und fand es sehr gut, aber auch sehr erschreckend dabei. Gerade das Zitat über die Meinungsfreiheit, dass du hier nennst, ist mir auch besonders aufgefallen.
    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

    Gefällt 1 Person

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